Menschen - Fragen - Antworten

1. Hast Du eine Selbstbeschreibung? Wenn ja, wie lautet sie?

Dazu fällt mir nichts ein. Es war immer die Horrorfrage bei Vorstellungsgesprächen ;-)

2. Magst Du etwas zu deinem Leben [bzw. Werdegang?] erzählen?

Ich stamme aus schwierigen Familienverhältnissen mit Suchtproblemen und Kriminalität. Aufgewachsen bin ich bei der Grossmutter, deren großer Kämpfernatur ich verdanke, doch noch recht gerade ins und durchs Leben gekommen zu sein.

Zwischen Pupertät und ca. 20. Lebensjahr war ich sogar "gutkatholisch", hatte auch gute Erfahrungen mit den Repräsentanten der Kirche.

Beruflich ging es nicht sehr glatt in der ersten Zeit. Verschiedene Jobs in verschiedenen Branchen wechselten sich ab. Die Transthematik war in all der Zeit wie ein unterirdischer Fluss. Ich merkte, dass die Kommunikation mit Mädchen/Frauen wie hinter Glas verlief, war aber nicht bewusst genug, mich damit auseinanderzusetzen. Dieses Problem bzw. das Suchen meiner Art von "Frau-sein" wurde mit der Zeit stärker und stärker. Ich versuchte es ein letztes Mal in einer experimentellen Archäologiegruppe, die sich mit dem Keltentum beschäftigte. das Keltentum hat einen starken weiblichen Zweig, bei dem ich meine Weiblichkeit zu entdecken hoffte. nach 1 Jahr wusste ich, dass ich nichts finden würde. Inzwischen hatte ich immer stärkere Probleme während der Menstruation, und zwar auch nervlich. Es grenzte an Hysterie, die ich im Beruf selbstverständlich nicht zeigen durfte.

Der Transthematik näherte ich mich zunächst über Bücher und war total erstaunt, dass ich mich überall wiederfand. Es passten plötzlich Puzzleteile zusammen, mit denen ich vorher nichts anfangen konnte. Besonders "Träume in den erwachenden Morgen" von Leslie Feinberg war für mich eine Art Erweckungserlebnis.

Trotzdem nahm ich mir einige Monate zeit, mir in unserem Verein die Leute live anzuschauen. Dann war der Weg klar und ist es bis heute geblieben.

3. Bist Du jetzt zufriedener mit Deinem Leben als früher?

Reue? - Nein, bis jetzt nicht.

4. Was hast Du für weitere Ziele?

Tja, wenn ich körperlich die ersten OP's hinter mir habe (dem Aufbau stehe ich skeptisch gegenüber), werde ich mich beruflich verändern.
Ich würde gerne mit Tieren arbeiten, am liebsten mit Hunden. Billiard und argentinischen Tango möchte ich auch unbedingt noch lernen - aber nicht als Frau!

5. Was würdest Du anderen T* mit auf den Weg geben?

Ich finde es hilfreich, im Verein nicht allein meinen Weg durchfechten zu müssen, sondern Infos zu bekommen, Fehler auf dem Weg vermeiden zu können und eine Anlaufstelle gehabt zu haben, als ich mich (zumindest theoretisch) neu und authentisch gefunden hatte.

Ein anderer Punkt wäre vielleicht, den Menschen um mich herum die Unsicherheit oder auch den Widerstand zuzugestehen. aber das hängt wahrscheinlich mit meinem Alter zusammen (40).

Grüsse,
Jess


 
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