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Es gibt immer wieder Situationen, die mann hinterher
am Stammtisch zum allgemeinen Amusement erzählt. Einige allerdings
erst ein paar Wochen später, wenn mann sich erholt hat von dem Schock.
Hier eine kleine Auswahl:
Neulich im Löwenbräukeller:
Irgendwie klappt das noch nicht so - weder mit dem Nachbarn noch mit mir
selber. Jetzt nehme ich schon seit drei Monaten Testo und dennoch wird
mein weiblicher Vorbau (= Busen) nicht kleiner. Ich könnte heulen. Also
bleibt mir nix anderes übrig, als auch im Hochsommer abzubinden was das
Zeug hält. Klar, dass mir da reichlich warm wird. Da hilft nur eines:
Ab in den kühlen Biergarten!
So auch an diesem wunderschönen Sommerabend, als Andi und ich uns im Biergarten
des Löwenbräukellers (in München) treffen - einer der großen Biergärten,
wo sich alles trifft. Andi und ich sitzen jetzt seit etwa zwei Stunden
hier, Andi hat seine geliebten Spareribs gefuttert, ich bekam meinen Radi
(hochdeutsch: Rettich), und beide haben wir unser kühles Radler (= Bier
mit Limonade) in uns reingekippt. Das spült natürlich auch gut die Nieren
durch, und so komme ich an den Punkt, wo ich ganz dringend in die heiligen
Hallen des Löwenbräukellers vordringen muss.
Leichter gesagt als getan! Nicht, dass heute abend zu viele im Biergarten
sitzen würden und somit auch die Toilette überfüllt wäre. Nein, alles
ganz angenehm. Aber... wohin soll ich? Zur Toilette führt eine breite
Treppe hinunter. Dort die Entscheidung - geradeaus die breite Tür der
Damentoilette. Dort war ich früher schon des öfteren gewesen, also keine
Überraschung.
Nach rechts rein würde die Herrentoilette sein. Da war ich noch nie, würde
aber gerne mal... Ich lasse die Entscheidung auf mich zukommen.
Und sie kommt, bzw. sie sitzt bereits, in Form einer Toilettenfrau mit
den Ausmaßen einer echten Bavaria (= groß und breit und durchsetzungskräftig,
in etwa so wie Helga, die Frau von Hägar dem Schrecklichen, nur in einem
Dirndl). Mein Herz rutscht in die Hose - das Testo macht nicht automatisch
viel Mut. Also wieder, wie früher auch auf die Damentoilette. Missmutig
trabe ich an ihr vorbei.
“He, junger Mann! Da geht’s rein!” kommt die barsche Stimme mit einem
Tonfall eines Feldwebels. Ich schaue sie an, tauche aus meinem Missmut
langsam auf. Der Finger von Bavaria zeigt deutlich zur Herrentoilette.
Willig drehe ich mich um, murmle ein “Oh, ‘tschuldigung” und verschwinde
in der Herren-Toilette. Zum Glück steht keiner drin, denn sonst würde
der sich über meine glühenden Ohren wundern.
Jippieee! Genau auf diesen Moment habe ich gewartet! Jetzt geht’s los!!!
Neulich an der Kasse:
An der Kasse So, jetzt haben wir Winterschlussverkauf, und ich bin mittendrin.
Hormone! Njet - noch lange nicht in Sicht. Aber immerhin beginne ich,
mich kleidungs-technisch von den Unisex-Klamotten deutlich hin zu den
Herren-Teilen zu bewegen. Was zwar nicht sehr viel nützt, aber für mein
Ego ist’s schon ein grosser Schritt.
Da stehe ich nun da, Winterschlussverkauf in München, in einem grossen
Herren-Mode-Kaufhaus (ok, für die Damen gibt’s auch eine Abteilung - aber
kein Vergleich zur Herrenabteilung!), stehe an der Kasse zusammen mit
meinen Geschlechtsgenossen, die im Gegensatz zu mir aber auch definitv
schon immer mit solch einem wunderbaren Körper gesegnet waren. Vor mir
nur noch wenige, hinter mir eine ganze Menge Leute, die alle auch einen
Pullover, ein Hemd, ein Sakko, eine Krawatte... sich aus den überquellenden
Stapeln gegriffen haben und nun schweissgebadet dastehen.
Da hat mit einem Mal so ein A... die Frechheit, und stellt sich nicht
an wie alle anderen, sondern läuft an der Schlange vorbei und schmeisst
seinen Krempel auf den Tresen - direkt vor mir, denn ich wäre der Nächste
gewesen. Eine der beiden Kassiererinnen (die andere tippt grade noch ein)
sieht das und blafft ihn an: “He, das geht nicht! Stellen Sie sich hinten
an! Zuerst kommt der junge Mann dran!” kurzer Blick auf mich “... die
junge Dame...” Zweifel “...der junge Mann...” nochmal gucken “... die
junge Dame...” Unsicherheit “...der junge Herr....?”
Nein, ich helfe dieser armen Person nicht aus dem tiefen Tal des Zweifels.
Immerhin war sie ja beim “jungen Herrn” stehengeblieben. Nein, der Gentleman
geniesst und schweigt...
Neulich, als Tobias auf einer Chorwoche war:
Mit lauter unbekannten Leuten eine Woche singen also. Nun, er hatte sich
- ohne jede Hormone ö.ä. - als Tobias angemeldet. Er kommt beim
Singen auch noch schön in den Sopran, und dachte daher, es müsse
nun wirklich jedem etwas aufgefallen sein (was wohl gar nicht der Fall
war). Jedenfalls am letzten Abend kam er mit einem Mann ins Gespräch,
und irgendetwas interpretierte Tobias so, dass er meinte, reinen Tisch
machen zu müssen; und er erklärte, was los sei. Der gute Mann
hörte sich das ein bischen verständnislos an, und als Tobias
fertig war, fragte er nur noch : "Ach, sie tragen also abends Frauenkleider?"
Klugerweise gab Tobias danach jeden weiteren Klärungsversuch auf.....
Neulich, auf der Straße:
Ich mit meinem Mädel im Arm. Zwei Mädchen gehen vorbei, und
auf einmal fängt meine Frau furchtbar an zu lachen. Ich sage, was
ist denn? "Ja, die eine sagte grade zur anderen: 'Sag mal, sind die
jetzt schwul oder lesbisch.....'"
Also, so weit ich das sehe, sind wir hetero - so oder so!
Neulich, beim Schuster:
Schuhe mit Pfennigabsätzen und dünnen Sohlen brauchen doch wesentlich
mehr die Aufmerksamkeit eines Schusters als die meisten Herrenschuhe.
Demzufolge war ich schon sehr lange nicht mehr beim Schuster um die Ecke.
Jedenfalls nicht mehr, seit ich einen Bart und Stimmbruch hatte.
Neulich hatte er draußen aber Einlegesohlen im Angebot liegen, es
waren welche in meiner Größe dabei, also bin ich rein und wollte
sie bezahlen.
Ich krame so in meinem Geldbeutel, er sagt: "Zweimarkfünfzig,
junger Mann, nein, junge Frau, nein, war doch richtig, junger Mann. ---
Sagen Sie mal, haben Sie eine Schwester, die auch hier rumläuft???"
Ich lächle ihn freundlich an, und sage: "Nein, das war ich -
aber manchmal verändert man sich ja mehr, als man sich das so gedacht
hat." "Ach so," sagt er, "errrr, ja, warum nicht?"
Nimmt mein Geld und wünscht mir einen schönen Tag. Das Gesicht
war sehenswert.
Und die Moral von der Geschicht: Der "Wie, das begegnet Ihnen
nicht jeden Tag mindestens 3 Mal!" Gesichtsausdruck und Tonfall ist
etwas, was man sich unbedingt zulegen sollte..... Es sei denn, man mag
stundenlange Erklärungen.
Apropos "Ja, warum nicht!?!"
Neulich, auf Papa's Geburtstag:
Es war der 60igste, und der wurde groß gefeiert. Natürlich
war ich auch eingeladen. Mein Vater warnte mich, dass mich die Leute vermutlich
noch mit Sabine ansprechen würden, da sie mich nun mal nur
so kannten. Ich sagte: "OK, aber ich korrigiere dann ganz freundlich."
Erst war er am knatschen, warum ich denn immer recht haben müßte,
aber ich kann auch stur sein, und das muß er wohl an meinem Gesicht
gesehen haben.
Jedenfalls, als die Leute kamen, stellte er mich dann selber vor, meistens
mit den Worten: "Ja, und das ist jetzt Alex, ihr wißt ja, läßt
sich umpolen." (Auch eine nette Formulierung). Und fast alle Leute
sagen nur: "Jaja, warum nicht." Einige fragten mich wie es mir
ging, andere fühlten sich dann doch 3 Meter weiter sicherer.
Aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass das halbe Dorf
an diesem Nachmittag vor dem Spiegel gestanden hatte, und fleißig
geübt hatte, mit einem möglichst neutralen Gesichtsausdruck
die schonen Worte "Jaja, warum nicht!" zu üben.
Und das gibt: Eine Eins für Fleiß und guten Willen! Und
eine Eins für mich - dafür, dass ich nicht einmal gelacht oder
gekichert habe!
Neulich, bei meinem Mädel auf der Couch:
(Nein, nicht was Ihr schon wieder denkt - das kam später ;-)
Mein Mädel und ich, wir geben optisch gesehen ein recht interessantes
Paar ab - sie ist einen Kopf größer als ich und sieben Jahre
jünger - als mein Vater. Jedenfalls, ich fragte sie mal, was sie
sich denn so vorgestellt habe, was sie mal für einen Mann haben wollte,
denn ich hatte so den Verdacht, ich war es nicht. Und Recht habe ich gehabt;
nach einiger Zeit sagte sie zögerlich: "Na ja, ich hatte an
so etwas wie Cary Grant gedacht." Und ich sagte: "Mach dir nichts
draus, Schatz. Ich auch...."
Und die Moral von der Geschicht: Den selben Geschmack zu haben,
ist durchaus förderlich für eine Partnerschaft - wenn man Sinn
für Humor hat.
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