Erfahrungsbericht Hormone - von A.
Spritze 1: Dosierung 100 mg Datum: 05.05.97
Ich habe mich für eine anfänglich geringere Dosierung entschieden
aus Angst vor Akne, die ich noch von meiner ersten Pubertät in schlechter
Erinnerung habe. Die Spritze wird intramuskulär in den oberen Bereich
des Po gesetzt und kann eine unangenehme Schwellung im umgebenden Gewebe zur
Folge haben, die sich ca. 2-3 Tage halten kann. Meine Erfahrung ist jedoch,
dass es sehr auf die Person ankommt, die die Spritze setzt. Wirkung: sofortige
Absenkung der Stimme, sodass es auch anderen auffällt, starke Libido,
kaum Pickel, daher zweiwöchiges Intervall
Spritze 2: Dosierung 100 mg Datum: 19.05.97
Absenken der Stimme wird noch stärker, aber noch ohne die typischen
Zeichen des Stimmbruchs, Libido nicht mehr ganz so stark
Spritze 3: Dosierung 100 mg Datum: 02.06.97
Absenken der Stimme mit beginnenden Schwierigkeiten beim Singen in hohen
Lagen, die Töne werden kratzig, rauh, nicht mehr klar
Spritze 4: Dosierung 250 mg Datum: 11.06.97
deutlicher werdende Anzeichen des Stimmbruchs: hohe Töne nicht mehr
auf Anhieb singbar, manchmal bleibt der Ton beim Singen ganz weg, es kommt
nur noch heiße Luft, Libido ganz stark
Spritze 5: Dosierung 250 mg Datum: 04.07.97
Anzeichen des Stimmbruchs jetzt auch manchmal beim Sprechen: Kieksen, Umschlagen
der Stimme aber nur bei höheren Tönen, normale Sprechstimme deutlich
männlicher klingend, beim lauter werden (z.B. Rufen) aber wieder weiblicher
klingend und höher, Libido wieder etwas weniger stark, Libido nimmt gegen
Ende des Spritzenintervalls rapide ab, erste Härchen an den Armen, sind
nicht blond sondern dunkel
Spritze 6: Dosierung 250 mg Datum: 20.07.97
Stimmbruch sehr deutlich: Absenken der Stimme stark, Umschlagen und Kieksen
beim Singen sehr häufig, singen in höheren Tonlagen sehr schwierig,
Stimme nach Singen von nur einem Lied schon stark beansprucht, Singen in Basstonlage
nicht anstrengend, hohe Töne, die früher erreicht wurden, sind heute
nicht mehr singbar, Orientierung beim Singen an der Tonhöhe nicht mehr
möglich, Treffen von bestimmten Tönen nicht mehr möglich, Gehirn
muß sich umorientieren?
Libido weniger stark, Haarwachstum verstärkt auf Armen und Beinen,
ganz wenig am Bauch bis zum Bauchnabel, Muskelentwicklung aufgrund des Trainings
sehr gut (Bizeps und Brustmuskulatur), auch bessere Ausdauerleistungen beim
Laufen, Abnahme der Zellulite an den Oberschenkeln, Klitoris bis jetzt ca.
1 cm gewachsen, onanieren mit größerer Klitoris etwas schwieriger.
Das Körperbild ist auch im Alltag verstärkt männlich von
einer Selbstverständlichkeit, die ich so nicht erhofft hatte. Fühle
mich sehr wohl, Testosteron wirkt wie ein Antidepressivum, bin aber immer
noch erstaunt, wenn die Anderen mit Selbstverständlichkeit von Er reden.
Entdecke eine neue Sensibilität in mir für andere Menschen und
ihre Probleme. Eßgewohnheiten haben sich verbessert. Habe auch den Eindruck,
dass sich die Gesichtsphysiognomie vermännlicht. Abnahme des Brustvolumens
um ca. 20 bis 30%
Spritze 7: Dosierung 250 mg Datum: 15.08.97
unverändert
Spritze 8: Dosierung 250 mg Datum: 05.09.97
Stimmbruchanzeichen nehmen langsam ab, Kieksen und Umschlagen der Stimme
nicht mehr so häufig, hohe Töne nicht mehr singbar, Basstiefen noch
stärker ausgeprägt und intensiver, Töne zu finden ist wieder
leichter möglich, Gehirn stellt sich um, Orientierung in welcher Tonhöhe
ich überhaupt singen kann ist noch schwierig aber das wird die Übung
bringen, Singen immer noch anstrengend, nach 5-10 Minuten überlastet.
Sprechstimme deutlich männlich, am Telefon werde ich immer als Mann angesprochen,
wenn ich mich bemühe, kann ich aber bei Anheben der Stimme und weichem
Tonfall noch eine weibliche Stimme vortäuschen. Das macht mir allerdings
Schwierigkeiten, ich fühle mich dabei wie ein Schauspieler oder wie ein
Transvestit.
Haare an den Oberschenkeln sind stark gewachsen, deutlich männliche
Behaarung, ebenso am Bauch und an den Armen. Beginnender Haarwuchs an der
Brust. Etwas mehr Pickel an Rücken und Brust aber nicht so stark, dass
es mich sehr stören würde.
Cellulite an den Oberschenkeln fast ganz verschwunden, ebenso die weibliche
Fettverteilung (Abnahme des Hüftumfanges um 8 cm!), Oberschenkel beginnen
männlich zu wirken. Klitoris nicht weiter gewachsen. Bartwuchs nicht
deutlich verstärkt, rasieren 1 mal pro Woche günstig aber nicht
notwendig.
Werde immer häufiger als Mann angesprochen (z.B. im Schwimmbad Schlüssel
für die Herren-Sammelumkleide bekommen, Kollegin die mich nicht kennt
akzeptiert mich voll als Mann).Intensivere Orgasmen als früher.
Brust hat jetzt ca. 40% abgenommen, ich bilde mir ein, dass auch die Haut
geschrumpft ist. Aber es ist immer noch deutlich eine weibliche Brust, das
restliche Gewebe hängt. In mir reift die Erkenntnis, dass es nicht ohne
Mastektomie geht. Trotzdem will ich bis Ende des Jahres noch intensiv Hanteltraining
betreiben, um vielleicht doch einen positiven Effekt zu bemerken. Darf nicht
mehr Blutspenden (Arzt beim Roten Kreuz war ganz begeistert von mir!).
Zustand nach genau einem Jahr Hormontherapie:
Der Stimmbruch ist immer noch nicht beendet, wenn auch im Alltag nicht mehr
merkbar. Ich singe heute wieder regelmäßig im Chor (früher
Alt heute 2. Bass) und stelle dabei fest: ich habe eine sehr tiefe Bassstimme
bekommen, die mit anderen Bassstimmen locker mithalten kann. Bei den hohen
Tonlagen, die auch bei Bassgesängen durchaus vorkommen können, merke
ich allerdings immer noch den Stimmbruch, d.h. ich kann die Töne ab dem
eingestrichenen C entweder gar nicht mehr oder nur mit großen Schwierigkeiten
und sehr rauh und unsicher singen. Dafür hält meine Stimme aber
auch zwei Stunden Chorprobe wieder locker durch ohne dass ich extrem angestrengt
bin.
Auch die Orientierung beim Singen klappt wieder besser, ist aber immer noch
nicht so gut wie früher, das Gehirn ist immer noch nicht ganz auf die
neue Stimmlage eingestellt. Bei lautem Lachen oder Rufen kann es auch heute
noch passieren, dass die Stimme umschlägt auf hohe Töne oder ganz
ausfällt.
Es besteht die Möglichkeit, dass sich dieser Zustand bei mir nicht
ändern wird solange ich noch meine Eierstöcke besitze, die immer
noch fleißig Östrogen produzieren. Das weiß ich aufgrund
einer Hormonanalyse für das Gutachten für den Medizinischen Dienst.
Diese immer noch anhaltende Östrogenproduktion ist auch der Grund dafür,
dass trotz heute normal männlicher Fettverteilung am Körper ein
Rest Cellulite an den Oberschenkeln erhalten geblieben ist.
Im übrigen weiß ich heute durch Erfahrung am eigenen Leib, dass
die Männer es mit der Gewichtsabnahme durchaus schwerer haben als die
Frauen. Mir fällt das Hungern heute wesentlich schwerer als früher
und die Wirkung auf die Fettpölsterchen am Bauch und über der Nierenregion
ist kaum nennenswert. Durch entsprechendes Training hat sich meine Ausdauerleistungsfähigkeit
(Jogging) und auch meine Muskelleistungsfähigkeit (Hanteln) gegenüber
früher verdoppelt, was sich allerdings nicht unbedingt in der Muskelmasse
wiederspiegelt (Zunahme Brustumfang nur ca. 2 cm, Bizeps nur ca. 1 cm). Es
ist bei einer Brustabnahme um ca. 40 % geblieben.
Die Klitoris ist nur um ca. 1 cm gewachsen. Dafür komme ich heute mit
meinen Geschlechtsorganen psychisch deutlich besser klar als früher.
Obwohl ich mich immer noch als eindeutig homosexuellen Mann bezeichne, kann
ich heute jedoch sagen, dass ich Frauen im Bett nicht mehr grundweg ablehne,
meine Einstellung ist auch in dieser Beziehung gelassener geworden. Meine
Libido ist gegenüber den ersten Monaten der Hormontherapie gesunken (es
zeigt sich ein gewisser Gewöhnungseffekt wahrscheinlich physischer und
psychischer Art), allerdings immer noch deutlich höher als früher.
Anhand meiner Libido kann ich auch genau sagen, wann es Zeit wird für
die nächste Spritze: 2-3 Tage nach der Spritze stark ansteigend, gegen
Ende des dreiwöchigen Intervalls stark abfallend. Dann werde ich auch
deutlich gereizter und aggressiver.
Im übrigen fühle ich mich mit Testosteron wesentlich agiler, leistungsfähiger
und unternehmungslustiger und brauche auch weniger Schlaf als früher.
Pickel habe ich so gut wie keine im Gesicht, dafür ist es an Brust und
Rücken in den letzten Monaten etwas stärker geworden. Die Haarstruktur
ist auch deutlich verändert, die Haare sind wesentlich fester und auch
trockener als früher. Meine Haut ist etwas unempfindlicher aber auch
trockener.
Der Bartwuchs läßt bis heute zu wünschen übrig. Er
hat in den letzten drei Wochen etwas zugelegt, ich muß mich aber immer
noch nicht häufiger als ein mal pro Woche rasieren, zudem sind die Barthaare
blond, sodass sie eh kaum auffallen. Die Körperbehaarung ist heute typisch
männlich, wobei die Brustbehaarung minimal ist und ebenfalls erst in
den letzten Wochen etwas zugenommen hat. Dafür kann ich mich über
Haare an den Beinen gewiß nicht beklagen.
Interessant zu beobachten war auch für mich, dass ich heute deutlich
mehr als früher schwitze bei körperlicher Anstrengung und dass sich
der Körpergeruch ebenfalls verändert hat, ein Umstand, an den man
sich ebenso gewöhnen muß wie an die tiefere Stimme. Andere Menschen
nehmen mich heute eindeutig als Mann war, eine Verwechslung passiert nicht
mehr. Resumee für mich ganz persönlich: ich fühle mich heute
um Welten wohler in meiner Haut als früher, alles passt viel besser zu
mir und meiner Persönlichkeit und das macht sich natürlich auch
positiv bemerkbar an meinem Selbstbewußtsein.
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