Meinungen zu erwarteten und tatsächlichen Operations-Ergebnissen


Operationsergebnisse geben immer wieder Anlass, verschiedener Meinung zu sein - nicht nur zwischen den Transmännern, sondern vor allem auch zwischen Operateur und Patient.

Oft ist zu beobachten, dass Unzufriedenheit mit dem Operationsergebnis auf der Seite des Transmanns eng zusammenhängt mit nicht realistischer Eigen-Betrachtung - entweder im Voraus oder im Nachhinein.

Was meine ich damit? So schwer es den meisten von uns fällt: Man muss sich vorher mit seinem Körper auseinandersetzen, bevor man daran rumoperieren lassen möchte. Ich kann nur dann die richtige Technik und den richtigen Arzt finden, wenn ich weiß, wie mein "Ausgangsmaterial" beschaffen ist: Wie groß ist die Brust? Ist sie fest oder weich? Ist die Haut straff oder schon schlapp oder mit Schwangerschaftsstreifen durchzogen?

Wie sehen die Brustwarzen aus? Groß, klein, hell, dunkel, mit hervorstehendem Nippel, flach, mit klarem Umriss, unklarem Farbübergang...

Wenn möglich und nötig - wie ist der Anteil von Fett- und Drüsengewebe? Das kann man mittels einer Mammographie feststellen - und ist vor allem wichtig, wenn abgesaugt werden soll. Und wie weit unter die Achseln gehen Fett- und Drüsengewebe der Brust? Immerhin klebt die Brust nicht nur vorne am Oberkörper, sondern geht mitunter gehörig auch bis unter die Achseln.


Entsprechend wie die Brust beschaffen ist, ist die Technik anzustreben: Eine Brust, die für ein A-Körbchen zu klein ist, muß logischerweise anders geschnitten werden als eine, die knapp in ein D-Körbchen paßt. Eine hängende Brust erfordert ganz anderes Vorgehen als eine Straffe gleicher Größe. Und wenn abgesaugt werden soll, dann ist wichtig zu beachten, dass nur das Fett, nicht aber das Drüsengewebe abgesaugt werden kann. Wir hatten in Köln einen Fall, wo es Probleme gab. Die Brust war sehr klein und durch die Hormone weich geworden. Dadurch hatte der Arzt völlig den Anteil an Drüsengewebe unterschätzt (und an dieser Brust sind immerhin zwei Kinder satt geworden). Erfolg: Es mußte doch ein Mamillenschnitt (also einmal rund um den Warzenhof) gemacht werden; und zwar ungeplant. (Ist aber gut gegangen.)


Man muss sich selbst gegenüber ehrlich sein und kapieren, dass man nur mit dem Material arbeiten kann, das zur Verfügung steht. Eine Brust in Körbchengröße C kann schlichtweg nicht ausschließlich mit einem Mamillenschnitt operiert werden - da kann der Operateur noch so gut sein, was nicht geht, geht nicht.


Daher mehrere Ratschläge von mir:

- am besten schon VOR der Hormoneinnahme mal eine Bestandsaufnahme machen. Gegen das Vergessen hilft auch ein Foto!

- während der mindestens 6 Monate zwischen Beginn der Hormontherapie und Mastektomie sich selbst beobachten: wie verändert sich die Brust? Daraus kann man ganz grob abschätzen, wieviel da noch an Drüsengewebe vorhanden ist: Durch die Hormoneinnahme verlagert sich das Körperfett, auch das der Brust. Zurück bleibt das größtenteils "normale" Fett unter der Haut plus das Drüsengewebe. Auch während der Hormontherapie zum Vergleich mindestens 1 Foto machen.

- sich bundesweit nach dem richtigen Operateur umschauen - es gibt nicht allzu viele gute Operateure, und nicht jeder Chirurg kann wirklich jede Technik gleich gut. Wenn der richtige Arzt quasi vor der Haustür praktiziert - Glück gehabt! Ansonsten bitte nicht vor der Reise zurückschrecken.

- sich nicht auf faule Kompromisse einlassen - und mit "faul" meine ich faul! Sowohl beim Arzt, der sich aus falscher Scham nicht traut, die Brust vorher gründlich zu untersuchen - und als Patient, den der schnelle Glimmstengel 2 Tage nach der OP lockt, und so wenig Mann ist, genügend Selbst-Disziplin aufzubringen, sich selbst ein klares "Nein" anzusagen...


Es gibt aber auch noch eine andere Komponente, der man sich stellen muss: Nicht mehr aufhören können mit dem Selbst-Mäkeln. Klar, am Anfang ist da die weibliche Brust, die muss weg. Dann noch zuviel Fettgewebe, das muss auch weg, in einer kleinen Korrektur-OP. Zuviel Haut - noch eine OP. Nein, doch zuviel Haut weggenommen - die Narbe ist nicht unsichtbar genug - Narbenkorrektur. Und dann der Nippel -steht viel zu weit raus - noch eine OP, und noch eine, und noch eine...

Man kann sich verlieren in der Kritik am eigenen Körper, und der vermeintlichen Universal-Lösung "Chirurgie". Der objektive Blick geht flöten, und man merkt es nicht. Alle anderen um einen herum - und damit meine ich nicht die anderen Transmänner, sondern Verwandte, Freunde, Arbeitskollegen - finden schon längst, dass man einen waschechten Kerl abgibt; im Spiegel sieht man immer noch hier was weibliches, dort was weibliches, und immer wieder die Spuren der Operationen. Doch objektiv betrachtet stimmt das nicht mehr.


Nix für ungut - aber irgendwann muss auch mal Schluss sein. Und es ist ja kein Verlust, wartet doch der große Rest des Lebens auf einen, dieses Mal als Mann ;-)


Herzliche Grüße

Euer Henrik