Hormone

Zu den Hormonen haben wir erst mal einen Erfahrungsbericht. Zwar macht jeder seine eigenen Erfahrungen damit, aber dennoch sind die Unterschiede normalerweise nicht so groß.

Eine Linksammlung zum Thema Hormone unter Transgender-Allgemein/Medizinisches

Hier gibt es Infos zu einem Langzeitimplantat aus England.

Der sehr ausführlichen (englischsprachigen) Hormon-FAQ ist übrigends sehr lesenswert.


Achtung: Die Rechtslage bezüglich der Kostenübernahme durch die Krankenversicherungen hat sich aufgrund eines Urteils des BSG geändert. Siehe dazu den Artikel Verschreibung von Hormonpräperaten.

Die medizinischen Informationen auf dieser Seite sind nicht mehr up-to-date. Eventuell sind einige davon veraltet. Wir haben auch niemanden, der sich gut genug mit der medizinischen Seite von Hormonen auskennt, um das mit einiger Sicherheit überprüfen zu können oder aktuell zu halten. (Ein/e Freiwillige/r wäre da höchst willkommen!)

Wir verweisen also an dieser Stelle auf die Webseite von Junxz. Die dort stehenden Hormon-Infos sind aktueller und tiefgehend recherchiert als unsere.

HINWEIS: Ein Gespräch mit und eine Betreuung durch einem qualifizierten Arzt kann durch keine Webseite der Welt ersetzt werden. Andererseits kennt sich nicht jeder Arzt mit dem Thema aus, und man sollte daher schon selber über gewisse Grundlageninformationen verfügen (können).


Einige allgemeine Infos zu den Hormonen:
(nach meinem besten Wissen und Gewissen)



Verordnet bekommt man sie entweder vom Hausarzt, oder von einem Endokrinologen. Auch Gynekologen oder Urologen, gelegentlich auch Internisten, verordnen Hormone. Da weder die Auswahl des Präperats noch die Dosierung besonders schwierig sind, kann es eigentlich jeder Arzt machen. Die Frage ist höchstens, will er/sie es?

Voraussetzung dafür ist meistens die Indikation zur Hormonbehandlung, die meist der behandelnde Therapeut ausstellt. Da es sich aber nicht unbedingt um einen häufigen oder leicht diagnostizierbaren Zustand handelt, muß man Ärzten, die sich damit nicht besonders auskennen, zugestehen, dass sie die Diagnose absichern wollen. Dies vor allen Dingen da die Hormone bei Transmännern oft sehr schnell wirken, und nicht oder nur schwer rückgängig zu machende Folgen haben - wäre tragisch, wenn das jemand bekommt, bei dem es nur ein Irrtum war.

Sind diese Hürden erst mal genommen, kommt die Frage des Präperats und der Dosierung.

Als erstes macht der Arzt eine Untersuchung des eigenen Hormonspiegels, er wird auch die Schilddrüse untersuchen, und je nachdem auch noch andere Untersuchungen machen oder anordnen. Das ist meistens OK; nur wenn es allzu exotisch klingt, sollte man genauer nachfragen, warum. Viele wollen auch eine Bestätigung einer Frauenarztes, dass unten alles normal ist. Ebenfalls OK - falls das nicht der Fall ist, muß man klären, ob die Hormone da einen Einfluß drauf haben. (Es gibt zum Beispiel Wucherungen, die unter Testesteroneinfluß bösartig werden können. Ist sehr selten, sollte man aber vorher ausgeschlossen haben.) Und wenn man ganz viel Glück hat, stellt sich dabei heraus, dass man eigentlich Intersexuell ist (Dass heißt, biologisch nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen). Damit spart man sich dann nämlich so 90% der Formalien. Ist aber äußerst selten.

Übrigends, den größten Unterschied, jedenfalls nach unserer Erfahrung, macht das Einstiegsalter. Je jünger man ist, desto länger dauert es, bis die Wirkungen eintreten. Vor allem der Bart läßt dann auf sich warten - aber das ist bei Bios nicht viel anders.

Meistens wird Testoviron, neuerdings auch Sustanon, verschrieben.

Sustanon soll für einen gleichmäßigeren Spiegel zwischen den Spritzen sorgen, genaueres weiß man aber nicht. Es häufen sich übrigens in letzter Zeit negative Erfahrungsberichte über Sustanon. Es scheint - wie gesagt, nach Erfahrungsberichten - dass mit Sustanon sehr häufig eine Gestagenunterdrückung nötig ist, um die Regel zu unterdrücken, was unter Testoviron selten der Fall ist. Außerdem - das sieht übrigens die Uniklinik Amsterdam genau so - sollte man nicht von Testovirion auf Sustanon in den ersten Jahren der Hormonbehandlung wechseln. (3 Jahre sollten es sein, danach kann man es probieren.) Denn dann bricht die Regel oft wieder durch, und die Fettverteilung wird teilweise wieder rückgängig gemacht. Sustanon soll aber, nachdem die zweite Pubertät abgeschlossen ist (also nach ein paar Jahren) bei einigen noch mal einen Schub bewirkt haben in Punkto Stimme und Muskeln. Auch das ist annekdotisch, wir suchen noch nach Erfahrungsberichten und genaueren Informationen. Da das Zeugs außerdem wesentlich teurer ist als Testoviron (Stichwort Kostensenkung im Gesundheitswesen) sollte man sich vielleicht eher - und in Absprache mit dem Arzt - für Testoviron entscheiden.

Mit den selben Inhaltsstoffen wie Testoviron gibt es noch ein etwas billigeres Medikament namens Testosteron Depot - Rotexmedica. Die Leute, die umgestiegen sind von Testoviron auf Rotexmedica berichten, dass sich die Akne verändert habe. Bei einigen wurde sie schlimmer, bei anderen besser, bei einigen einfach anders. Kann aber sein (Rotexmedica wird erst seit kurzer Zeit verschrieben) dass das kleinere Umstellungsprobleme sind. Fängt man gleich damit an, scheint es keine Unterschiede zu geben. Ob man eine Umstellung macht (was die Ärzte gerne machen, weil sie ein Arzneimittelbudget haben und deswegen lieber billigere Medikamente verschreiben), muß man selber entscheiden. Scheint aber ein vertretbares Risiko zu sein.

Testoviron gibt es übrigens auch als Re-Import. Dann ist es eine spanisch beschriftete Schachtel mit einem deutschsprachigen Aufkleber. Ist genau das selbe wie in der deutschen Schachtel, nur etwa billiger.

Wir werden demnächst eine Hormon-Umfrage ins Netz stellen, wo ihr dann eure Erfahrungen mitteilen könnt - anders kommen wir nie an vernüftige Aussagen, es sei denn, wir schaffen es, irgendeine Institution dazu zu bringen, mal eine ordentliche Studie durchzuführen. Warten solltet ihr darauf allerdings lieber nicht.

Die Dosierung scheint sich mehr danach zu richten, wie es die Ärzte in der Gegend halten, als nach fixen Richtlinien. In Köln beispielsweise werden meist alle 3, in Berlin alle 2 Wochen 250mg verabreicht. Leute die sich selber spritzen, oder bei denen der Arzt nicht am Kalender wie an der Bibel hängt, kommen ziemlich häufig auf ungefähr 18-20 Tage Abstand. Vorsicht übrigens: Einige Ärzte verordnen viel zu viel. Und überschüssiges Testesteron wird oft in Östrogene umgewandelt im Körper. Was so ziemlich das letzte ist, was wir haben wollen (Brustwachstum, Reiterhosenspeck...) Wenn ihr viel mehr als die oben genannten Mengen bekommt, schaut mal genau auf die Homepage von Junxz. Bei uns hilft nicht viel viel. Im Gegenteil.

Das Mittel wird intramuskulär gespritzt, sprich, meistens in die Gegend, wo man sonst drauf sitzt. Es geht aber jeder große Muskel. In dieser Gegend sind praktischerweise allerdings weniger Nerven als beispielsweise am Oberschenkel.

Das Spritzen nimmt meist der Arzt oder die Arzthelferin vor. Da Testovirion eine ölige Lösung ist, ist das nicht ganz so einfach. Es muß ganz langsam gespritzt werden, und es darf weder ein Nerv noch ein Blutgefäß getroffen werden. Also, wenn es zu weh tut oder zu sehr brennt, dann muß nochmal angesetzt werden!

Die meisten Ärzte lehnen es ab, das zum Selberspritzen zu verschreiben, eben weil es nicht ganz einfach ist. Es geht aber. Man sollte sich allerdings klar machen, dass das problematisch sein kann, und dass man Fehler spürt! Vor allem, wenn man ein Blutgefäß erwischt, oder sogar den Ischiasnerv. Also, wer es unbedingt selber machen will, soll sich das gut zeigen lassen!

Es gibt Testovirion auch in einer 100mg Dosierung. Die wird vor allem oft am Anfang benutzt, bei mir z.B. 3 mal 100mg alle 2 Wochen. Das vor allen Dingen, wenn entweder der eigene Testesteronlevel schon relativ hoch ist, oder wenn man vorher schon Akne hat. Das ist auch völlig in Ordnung, nur auf Dauer ist es zu wenig. 3-6 Mal kann man das ohne Weiteres akzeptieren, danach sollte man schon fragen, warum.

Außerdem gibt es noch Testesteron in Tablettenform (das Zeugs, womit die SportlerInnen in der DDR gedopt wurden, unter anderem). Davon ist dringlichst abzuraten. Das Zeugs belastet die Leber ganz erheblich, da so ungefähr 50% davon in der Leber abgebaut werden, ehe sie da ankommen, wo sie wirken. Das heißt, man muß auch die doppelte Menge schlucken. Sie werden manchmal verschrieben, um festzustellen, ob man die Hormone auch verträgt. Sollte man sich aber nur drauf einlassen, wenn da begründete Befüchtungen bestehen; denn uns ist kein Fall von Testesteron-Unverträglichkeit bekannt; aber auf diese Tabletten kann man schon unverträglich reagieren. Es gibt auch eine Sorte Tabletten, die die Leber angeblich wesentlich weniger belasten. Allerdings kennen wir auch keinen, bei dem sie de gewünschte Wirkung hatten. Also auch ziemlich witzlos.

Neu sind außerdem Hormonpflaster. Anders als die, die Frauen verschrieben bekommen, müssen die Testesteron-Pflaster allerdings täglich gewechselt werden, und sind ziemlich groß. Außerdem sind sie in Deutschland noch offiziell im Erprobungsstadium, also schwer zu bekommen. Die Hormonmenge, die sie abgeben, ist zu gering, um die Pubertät einzuleiten; sie sind anfangs also sinnlos. Ist die Pubertät vorbei, sind sie OK, um einen gewissen Hormonspiegel zu halten, damit man keine Osteroperose bekommt (notwendig). Muß man selber entscheiden, was einem weniger lästig ist.

Anscheinend sind grade Test am laufen, in denen Depotpräparate ausprobiert werden, zum einen Depotkapseln, die nur alle 6 Monate ersetzt werden müssen, und zum anderen Depots, die im Bauchraum liegen und nur mit einer Spritze nachgefüllt werden, und zwar alle paar Monate bis alle paar Jahre. Nichts genaues weiß man bisher, sobald wir näheres haben, erscheint es hier.

Es gibt auch Tabletten, die ähnlich wirken sollen wie Testesteron, aber auf pflanzlicher Basis. Alle, die davon berichtet haben, sagen, dass die Wirkung minimal ist. Kann man also wohl vergessen.

Andere Medikamente: Es kommt vor, dass das Testesteron nicht ausreicht, um die Monatsblutung zu unterdrücken. In dem Falle werden üblicherweise nach ca. 6-12 Monaten weitere Präparate gegeben, die üblicherweise Frauen bekommen, bei denen die Regel unterdrückt werden soll. Orgiametril ist ein ziemlich gebräuchliches Präparat, ich habe auch schon von anderen gehört. Ziemlich neu ist ein Nasenspray, das die selbe Wirkung hat, aber den Körper weniger belasten soll.
Man kann diese Präparate auch bekommen vor dem Testesteron, nämlich wenn dieses - aus welchem Grunde auch immer - noch nicht verabreicht werden, die Monatsblutung aber ein zu große seelische (oder körperliche) Belastung darstellt. Diese Medikamente haben meistens eine lange Liste von möglichen Nebenwirkungen, aber wie das bei Nebenwirkungen so ist, sie können, aber sie müssen nicht. Nur darauf achten, dass diese eventuell Depressionen auslösen können - also auch an diese Ursache denken (ich spreche aus leidvoller Erfahrung).

Wirkung:

Hier wird es schwierig, Allgemeingültiges abzugeben. Zwar stellen sich bei allen eine Zunahme der Körperbehaarung, der Stimmbruch, eine Klitorisvergrößerung und Bartwuchs ein, und auch eine Umverteilung des Fett/Musekgewebeanteils. Nur wann und in welcher Reihenfolge, ist völlig unterschiedlich.

Es ist übrigends immer wieder zu lesen, dass, je jünger man ist, desto schneller die Wirkung einsetze. Das ist leider nicht richtig bei Transmännern. Ganz im Gegenteil scheint die Wirkung, vor allen Dingen was den Bartwuchs angeht, bei denen bis ca. Mitte 20 sehr langsam aufzutreten. Das ist zwar eigentlich normal, auch viele Bios haben erst in dem Altern einen ordentlichen Bartwuchs (und manche haben ihn nie); aber diese Behauptung weckt leider oft falsche Erwartungen. Bei den Transfrauen allerdings trifft es zu.

Die Reihenfolge ist meist etwa wie oben angegeben, aber wie gesagt, es ist völlig unterschiedlich, wann etwas anfängt und wie lange es dauert. Der extremste Fall von Stimmbruch z.B. ist einer, der schon zwei Jahre andauert. Ich gebe mal meine Werte hier kurz an - aber wie gesagt, es sind meine.

Beginn der Einnahme: Herbst 1996
Alter damals: 29

Dosierung: 3x 100mg Testoviron intramuskulär im Abstand von 2 Wochen, danach 250mg alle 3 Wochen
Stand Herbst 1998

Was Wann Dauer
Stimmbruch Kurz nach der 3. 100er 6 Monate merklich, ca. 1 Jahr bis er vollständig war.
Zunahme von Körperbehaarung Nach ca. 2 Monaten 3 Monate sehr merklich, jetzt immer noch andauernd
Klitorisvergrößerung Nach ca. 5-6 Monaten Immer noch andauernd. Zunahme um ein Mehrfaches.
Bartwuchs Nach ca. 6 Monaten Immer noch andauernd. Zunächst an Oberlippe und unter den Kinn, dann die Kotletten, langsam wächst er auch die Backen hoch. Hier gibt es die größten Differenzen
Gewebe-Umverteilung Nach knapp einem Jahr Immer noch andauernd. Hosen sitzen jetzt ganz anders. Sehr merkliche Zunahme des Muskelgewebes. Brust etwas weicher geworden, optisch aber unbedeutend.

Die größten Unterschiede gibt es beim Bartwuchs. Da kann man sich absolut nicht darauf verlassen, wie es anderen ergangen ist. Eher hilft schon, in dem Teil der Familie nachzufragen, dem man nachgeschlagen ist.

Die Gewebeumverteilung ist natürlich da am merklichsten, wo auch Gewebe unzuverteilen ist; aber selbst Kollegen, die aus wenig mehr als Haut und Knochen bestehen, erzählen davon, dass es an den Hosen zu merken ist. Es finden auch Veränderungen im Gesicht statt, die man selber am wenisten bemerkt, und die auch von der näheren Umgebung kaum bemerkt werden. Sie machen aber etliches dabei aus, als Mann durchzugehen. Das ist auch auf den letzten Bildern der Horrorgalerie zu sehen.

 

 
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