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- Es ist doch alles schon geregelt und in Ordnung
- Tatsächlich? Es ist vielleicht einiges geregelt - aber in Ordnung
ist deswegen noch lange nicht alles. Zwar haben wir mittlerweile Rechtsansprüche
auf Namens- und Personenstandsänderung und auf medizinische Behandlung.
Deswegen bekommen wir diese aber noch lange nicht, oder nur unter unangemessenen
Schwierigkeiten.
- So dient beispielsweise die Namensänderung unter anderem - nach
der Absicht der Schöpfer des TSG - der Erleichterung des Lebens in
der neuen Rolle, *auch* um festzustellen, ob diese neue Rolle wirklich
gewünscht ist - mit anderen Worten, der Erleichterung des berüchtigten
Alltagstests. Praxis bei vielen Gutachtern und Gerichten ist aber, den
Alltagstest - illegalerweise - vor der Namensänderung zu fordern.
- Uns - durch etliche Gerichtsurteile bestätigte - zustehende Maßnahmen
werden uns vorenthalten oder verzögert, entweder durch Verfahren
am Rande der Legalität ("Standards of Care", die lediglich
die Empfehlungen eines selbsternannten Fachgremiums sind, und *keinerlei*
bindende Wirkung haben); oder mit hanebüchene Begründungen.
- Es gibt doch schon jede Menge SHGs und Vereine
- Die meistens SHGs sind nur auf regionaler Ebene tätig, und kümmern
sich höchstens einmal um die örtlichen rechtlichen und medizinischen
Probleme - aber die Lösungen, so es denn welche gibt, bleiben regional
beschränkt.
- Auch ist der Männeranteil in den SHGs meistens sehr niedrig - weswegen
Männerthemen meistens sehr kurz kommen - weswegen Männer noch
weniger Grund haben, die örtlichen SHGs aufzusuchen - weswegen Männerthemen
noch kürzer kommen. Das mag eine sich-in-den-Schwanz-beissende-Katze
sein, aber es ist auch ein Fakt.
- Es gibt keinen einzigen Verein, der sich alleine um die Belange der
TransMänner kümmert, und die Erfahrung, die wir mit allgemeinen
Trans*-Vereinen machten, lassen uns nicht darauf hoffen, dass sich
daran etwas ändern wird. (Siehe 2.)
- Die Fachleute kümmern sich um uns
- Einige Fachleute scheint tatsächlich unser Wohlergehen zu interessieren.
Die meisten scheinen allerdings mindestens genau so viel Wert darauf zu
legen, sich auf unsere Kosten zu profilieren (oder zu profitieren - wir
sollen anscheinend froh sein, dass es überhaupt Ärzte gibt,
die sich um uns kümmern - Qualität ist da anscheinend zu viel
verlangt).
- Gutachter verlangen von uns, Männer zu sein so wie sie sich einen
Mann vorstellen - und wenn wir diesen Vorstellungen nicht entsprechen,
Pech gehabt - dann gibt es eben keine Namens- oder Personenstandsänderung
und/oder keine medizinische Behandlung.
- Richter legen das TSG manchmal in absolut unzulässiger Weise aus
- Gutachter werden uns aufgezwungen und Fragen und Forderungen werden
an die Gutachten und uns gestellt, die absolut nichts mehr mit den im
TSG festgelegten Voraussetzungen zu tun haben. Es werden überflüssige
und unsinnige Begutachtungen verlangt (Nochmals zwei Gutachten für
eine eigenständige Personenstandsänderung, obwohl die Gutachten
für die Namensänderung vorliegen beispielsweise, oder die Bestätigung
der Operation durch Psychologen, die dafür gar nicht ausgebildet
sind).
- Verein ist igittähbäh
- Das kommt nun wirklich auf die an, die ihn machen. Wer das ganze Jahr
nur über einen Verein meckert, in dem er Mitglied ist, und dann auf
der Mitgliedsversammlung mal wieder den selben Vorstand wiederwählt,
weil keiner (schon gar nicht man selber) bereit ist, die Arbeit zu machen,
braucht sich nicht wundern.
- Das ist doch nur ein Forum für Profilneurotiker
- Siehe oben - die Profilneurotiker werden schließlich von den Mitgliedern
gewählt. Oder eben nicht.
- Es muß doch nicht gleich ein Verein sein
- OK, was ist dann die Alternative? Wenn einer von uns, oder sogar ein
paar Leute zusammen, höflich bei einer Krankenkasse, einem Ministerium
oder sonstwo vorsprechen, wird man uns bestenfalls höflich zuhören
und die Sache meistens vergessen. Bei einem Verein, der vielleicht auch
Mitglied in einer größeren Organisation ist, die auch weiß,
*wen* man *wann* am besten ansprechen kann, sieht die ganze Sache schon
anders aus. Das liegt zum Teil daran, dass das in diesem unserem
Lande nun mal so ist - aber zum Teil auch daran, dass selbst die
gutwilligsten privaten Vorstöße irgendwann zusammenbrechen
- sei es aus Mangel an Geld oder Zeit oder schlicht Manpower.
- Außerdem hat man als Verein andere Möglichkeiten - zum Beispiel
kann man in den Wohlfahrtsverbänden nur als Verein Mitglied werden
(oder als Stiftung (möchte jemand eine machen?) oder als gemeinnützige
GmbH). Die großen Verbände aber haben die Informationen und
Ressourcen, die grade ein kleiner Verein braucht, um überhaupt arbeiten
zu können. Auch an irgendwelche öffentlichen Gelder und ähnliches
ist ohne Verein kaum zu kommen - und wenn das mit dem Lottogewinn nicht
bald klappt, werden wir die irgendwann brauchen - spätestens wenn
wir eine Tagung machen beispielsweise.
- Ich habe es ohne Verein geschafft, und es ging auch
- Na ja, schön und gut, wenn es geklappt hat. Aber ist es wirklich
nötig, dass jeder von uns das Rad neu erfindet, von Pontius
zu Pilatus läuft, von 3 Leuten 4 verschiedene Auskünfte bekommt
und sich vielleicht schlechten oder sogar gefährlichen Prozeduren
unterzieht (medizinisch und juristisch), oder seinen Job verliert, oder
Monate und Jahre auf Sachen warten muß, weil ihm die Infos fehlen?
Und gönnt ihr das, was ihr durchgemacht habt, jetzt wirklich jedem
anderen auch? Oder kann das vielleicht ein Anlaß sein, zu sagen,
dass es wirklich Zeit ist, mal ein paar Dinge zu ändern. Und
wer soll das besser können als wir, die wir es durchgemacht haben
oder am durchmachen sind?
- Die wirbeln eine Menge Staub auf, und ich muß es ausbaden
- Das mag schon sein. Wir haben nicht vor, uns bei unfähigen und
unwilligen Medizinern, Gutachtern und Krankenkassen einzuschleimen, nur
damit es um Himmels Willen keinen Ärger gibt. Sondern vor allem denen
müssen wir endlich einmal klar machen, dass es keine Gefallen
sind, die sie uns tun, sondern dass wir nur die Rechte einfordern,
die jeder Mensch hat - und vor allen Dingen unsere Menschenwürde!
- Und genau bei denen badet ihr es jetzt auch schon aus. Gutachter, die
man tunlichst anlügen muß, um Gutachten zu bekommen, weil sie
Abziehbilder im Kopf haben, wie wir zu sein haben; Mediziner, die Pfusch
abliefern, den man keinem Hund antun dürfte, aber die an uns herumdoktern
dürfen; Psychologen und andere 'Fachleute' die sich auf unsere Kosten
profilieren wollen und nicht zuletzt Krankenkassen, denen die Argumente
für Behandlungsverweigerungen nie auszugehen scheinen.
- Das selbe gilt für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Über
TMs wird weiterhin im Fernsehen und in den Printmedien berichtet werden
- und was ist euch da lieber? Daß wir weiterhin Ausstellungsstücke
in einer Freakshow sind, oder dass auch die Medien eine Grundlage
haben, auf der sie berichten können (und die meisten Medien liefern
lieber solide als unsolide Arbeiten ab - aber die Zeit und auch die Gelegenheit
für fundierte Recherchen fehlt oft, und sind, aufgrund der lausigen
Informationen, die überhaupt zur Verfügung stehen, selbst im
besten Falle problematisch).
- Und auch die 'breite Öffentlichkeit' sollte besser informiert werden.
Denn ansonsten ist jeder einzelne auf das angewiesen, was er selber der
Familie, den Freunden, dem Partner, dem Arbeitgeber, der Schule, den Behörden
etc. beibringen kann; und nicht jeder ist in so etwas besonders gut; und
noch weniger machen es gerne.
Denn die Alternative dazu ist es, sich während des Umstiegs zu verstecken,
und dann - möglichst weit weg - noch mal ganz von vorne, in neuer
Rolle, anzufangen, und den Rest seines Lebens in der Angst zu verbringen,
dass mal irgend jemand irgend etwas herausbekommen könnte. Das
kann es ja auch nicht sein.
- Erst werde ich Mitglied, und nachher habe ich Arbeit/Kosten am Hals
- Arbeit - dazu ist noch keiner gezwungen worden. Wenn Ihr mitarbeiten
wollt, OK, wir freuen uns über jeden. Wenn Ihr nicht wollt oder könnt,
dann laßt es. Das ist auch OK. Denn jedes Mitglied ist zumindest
eins - ein Argument für unseren Verein und unsere Anliegen. (Nichtsdestotrotzdem
- wenn eine Sache wichtig ist, ist es auch schön, etwas dafür
tun zu können.)
- Kosten - die Satzung legt eindeutig fest, dass außer den
Mitgliedsbeiträgen *nichts* finanziell auf euch zukommen kann - außer
natürlich, ihr spendet noch etwas dazu. Aber sollten wir irgendwann
einmal mehr Geld brauchen, dann werden wir euch das mitteilen - ob ihr
dann etwas gebt oder nicht, hängt alleine von euch ab, und wird so
oder so keine Folgen haben (außer unserer ewigen Dankbarkeit natürlich).
Und sollten wir das einmal tun müssen, werdet ihr genauestes darüber
informiert, *warum* wir das Geld brauchen - anders als andere Vereine
werden wir unsere Kosten für jeden überprüfbar halten.
- Ein Männerverein ist Spalterei
- Männer wurden bisher einfach mitgeschleift; so müssen wir
uns bis heute mit Richtlinien, sogenannten Standards und ähnlichem
herumschlagen, die ganz eindeutig auf MzFs abgestellt sind.
- Da wir andere Probleme als TransFrauen haben, behaupten diese oft, dass
wir gar keine oder wesentlich weniger haben. Und da wir keine haben, braucht
sich auch niemand darum zu kümmern. Und da kann man sich den Mund
fusslig reden, manche wollen es auch nicht einsehen. Nicht, dass
eine Zusammenarbeit nicht sinnvoll wäre in vielen Bereichen. Aber
es gibt eben einige Bereicht, da haben wir getrennte Probleme, und die
müssen wir dann wohl auch getrennt angehen. Sonst kommt nämlich
eine Seite zu kurz. Und das ist auch dann nicht in Ordnung, wenn man praktischerweise
auf der anderen steht.
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