Warum überhaupt ein Verein
oder
10 Gründe, die gegen einen Verein sprechen
  1. Es ist doch alles schon geregelt und in Ordnung
    1. Tatsächlich? Es ist vielleicht einiges geregelt - aber in Ordnung ist deswegen noch lange nicht alles. Zwar haben wir mittlerweile Rechtsansprüche auf Namens- und Personenstandsänderung und auf medizinische Behandlung. Deswegen bekommen wir diese aber noch lange nicht, oder nur unter unangemessenen Schwierigkeiten.
    2. So dient beispielsweise die Namensänderung unter anderem - nach der Absicht der Schöpfer des TSG - der Erleichterung des Lebens in der neuen Rolle, *auch* um festzustellen, ob diese neue Rolle wirklich gewünscht ist - mit anderen Worten, der Erleichterung des berüchtigten Alltagstests. Praxis bei vielen Gutachtern und Gerichten ist aber, den Alltagstest - illegalerweise - vor der Namensänderung zu fordern.
    3. Uns - durch etliche Gerichtsurteile bestätigte - zustehende Maßnahmen werden uns vorenthalten oder verzögert, entweder durch Verfahren am Rande der Legalität ("Standards of Care", die lediglich die Empfehlungen eines selbsternannten Fachgremiums sind, und *keinerlei* bindende Wirkung haben); oder mit hanebüchene Begründungen.

  2. Es gibt doch schon jede Menge SHGs und Vereine
    1. Die meistens SHGs sind nur auf regionaler Ebene tätig, und kümmern sich höchstens einmal um die örtlichen rechtlichen und medizinischen Probleme - aber die Lösungen, so es denn welche gibt, bleiben regional beschränkt.
    2. Auch ist der Männeranteil in den SHGs meistens sehr niedrig - weswegen Männerthemen meistens sehr kurz kommen - weswegen Männer noch weniger Grund haben, die örtlichen SHGs aufzusuchen - weswegen Männerthemen noch kürzer kommen. Das mag eine sich-in-den-Schwanz-beissende-Katze sein, aber es ist auch ein Fakt.
    3. Es gibt keinen einzigen Verein, der sich alleine um die Belange der TransMänner kümmert, und die Erfahrung, die wir mit allgemeinen Trans*-Vereinen machten, lassen uns nicht darauf hoffen, dass sich daran etwas ändern wird. (Siehe 2.)

  3. Die Fachleute kümmern sich um uns
    1. Einige Fachleute scheint tatsächlich unser Wohlergehen zu interessieren. Die meisten scheinen allerdings mindestens genau so viel Wert darauf zu legen, sich auf unsere Kosten zu profilieren (oder zu profitieren - wir sollen anscheinend froh sein, dass es überhaupt Ärzte gibt, die sich um uns kümmern - Qualität ist da anscheinend zu viel verlangt).
    2. Gutachter verlangen von uns, Männer zu sein so wie sie sich einen Mann vorstellen - und wenn wir diesen Vorstellungen nicht entsprechen, Pech gehabt - dann gibt es eben keine Namens- oder Personenstandsänderung und/oder keine medizinische Behandlung.
    3. Richter legen das TSG manchmal in absolut unzulässiger Weise aus - Gutachter werden uns aufgezwungen und Fragen und Forderungen werden an die Gutachten und uns gestellt, die absolut nichts mehr mit den im TSG festgelegten Voraussetzungen zu tun haben. Es werden überflüssige und unsinnige Begutachtungen verlangt (Nochmals zwei Gutachten für eine eigenständige Personenstandsänderung, obwohl die Gutachten für die Namensänderung vorliegen beispielsweise, oder die Bestätigung der Operation durch Psychologen, die dafür gar nicht ausgebildet sind).

  4. Verein ist igittähbäh
    1. Das kommt nun wirklich auf die an, die ihn machen. Wer das ganze Jahr nur über einen Verein meckert, in dem er Mitglied ist, und dann auf der Mitgliedsversammlung mal wieder den selben Vorstand wiederwählt, weil keiner (schon gar nicht man selber) bereit ist, die Arbeit zu machen, braucht sich nicht wundern.

  5. Das ist doch nur ein Forum für Profilneurotiker
    1. Siehe oben - die Profilneurotiker werden schließlich von den Mitgliedern gewählt. Oder eben nicht.

  6. Es muß doch nicht gleich ein Verein sein
    1. OK, was ist dann die Alternative? Wenn einer von uns, oder sogar ein paar Leute zusammen, höflich bei einer Krankenkasse, einem Ministerium oder sonstwo vorsprechen, wird man uns bestenfalls höflich zuhören und die Sache meistens vergessen. Bei einem Verein, der vielleicht auch Mitglied in einer größeren Organisation ist, die auch weiß, *wen* man *wann* am besten ansprechen kann, sieht die ganze Sache schon anders aus. Das liegt zum Teil daran, dass das in diesem unserem Lande nun mal so ist - aber zum Teil auch daran, dass selbst die gutwilligsten privaten Vorstöße irgendwann zusammenbrechen - sei es aus Mangel an Geld oder Zeit oder schlicht Manpower.
    2. Außerdem hat man als Verein andere Möglichkeiten - zum Beispiel kann man in den Wohlfahrtsverbänden nur als Verein Mitglied werden (oder als Stiftung (möchte jemand eine machen?) oder als gemeinnützige GmbH). Die großen Verbände aber haben die Informationen und Ressourcen, die grade ein kleiner Verein braucht, um überhaupt arbeiten zu können. Auch an irgendwelche öffentlichen Gelder und ähnliches ist ohne Verein kaum zu kommen - und wenn das mit dem Lottogewinn nicht bald klappt, werden wir die irgendwann brauchen - spätestens wenn wir eine Tagung machen beispielsweise.

  7. Ich habe es ohne Verein geschafft, und es ging auch
    1. Na ja, schön und gut, wenn es geklappt hat. Aber ist es wirklich nötig, dass jeder von uns das Rad neu erfindet, von Pontius zu Pilatus läuft, von 3 Leuten 4 verschiedene Auskünfte bekommt und sich vielleicht schlechten oder sogar gefährlichen Prozeduren unterzieht (medizinisch und juristisch), oder seinen Job verliert, oder Monate und Jahre auf Sachen warten muß, weil ihm die Infos fehlen? Und gönnt ihr das, was ihr durchgemacht habt, jetzt wirklich jedem anderen auch? Oder kann das vielleicht ein Anlaß sein, zu sagen, dass es wirklich Zeit ist, mal ein paar Dinge zu ändern. Und wer soll das besser können als wir, die wir es durchgemacht haben oder am durchmachen sind?

  8. Die wirbeln eine Menge Staub auf, und ich muß es ausbaden
    1. Das mag schon sein. Wir haben nicht vor, uns bei unfähigen und unwilligen Medizinern, Gutachtern und Krankenkassen einzuschleimen, nur damit es um Himmels Willen keinen Ärger gibt. Sondern vor allem denen müssen wir endlich einmal klar machen, dass es keine Gefallen sind, die sie uns tun, sondern dass wir nur die Rechte einfordern, die jeder Mensch hat - und vor allen Dingen unsere Menschenwürde!
    2. Und genau bei denen badet ihr es jetzt auch schon aus. Gutachter, die man tunlichst anlügen muß, um Gutachten zu bekommen, weil sie Abziehbilder im Kopf haben, wie wir zu sein haben; Mediziner, die Pfusch abliefern, den man keinem Hund antun dürfte, aber die an uns herumdoktern dürfen; Psychologen und andere 'Fachleute' die sich auf unsere Kosten profilieren wollen und nicht zuletzt Krankenkassen, denen die Argumente für Behandlungsverweigerungen nie auszugehen scheinen.
    3. Das selbe gilt für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Über TMs wird weiterhin im Fernsehen und in den Printmedien berichtet werden - und was ist euch da lieber? Daß wir weiterhin Ausstellungsstücke in einer Freakshow sind, oder dass auch die Medien eine Grundlage haben, auf der sie berichten können (und die meisten Medien liefern lieber solide als unsolide Arbeiten ab - aber die Zeit und auch die Gelegenheit für fundierte Recherchen fehlt oft, und sind, aufgrund der lausigen Informationen, die überhaupt zur Verfügung stehen, selbst im besten Falle problematisch).
    4. Und auch die 'breite Öffentlichkeit' sollte besser informiert werden. Denn ansonsten ist jeder einzelne auf das angewiesen, was er selber der Familie, den Freunden, dem Partner, dem Arbeitgeber, der Schule, den Behörden etc. beibringen kann; und nicht jeder ist in so etwas besonders gut; und noch weniger machen es gerne.
      Denn die Alternative dazu ist es, sich während des Umstiegs zu verstecken, und dann - möglichst weit weg - noch mal ganz von vorne, in neuer Rolle, anzufangen, und den Rest seines Lebens in der Angst zu verbringen, dass mal irgend jemand irgend etwas herausbekommen könnte. Das kann es ja auch nicht sein.

  9. Erst werde ich Mitglied, und nachher habe ich Arbeit/Kosten am Hals
    1. Arbeit - dazu ist noch keiner gezwungen worden. Wenn Ihr mitarbeiten wollt, OK, wir freuen uns über jeden. Wenn Ihr nicht wollt oder könnt, dann laßt es. Das ist auch OK. Denn jedes Mitglied ist zumindest eins - ein Argument für unseren Verein und unsere Anliegen. (Nichtsdestotrotzdem - wenn eine Sache wichtig ist, ist es auch schön, etwas dafür tun zu können.)
    2. Kosten - die Satzung legt eindeutig fest, dass außer den Mitgliedsbeiträgen *nichts* finanziell auf euch zukommen kann - außer natürlich, ihr spendet noch etwas dazu. Aber sollten wir irgendwann einmal mehr Geld brauchen, dann werden wir euch das mitteilen - ob ihr dann etwas gebt oder nicht, hängt alleine von euch ab, und wird so oder so keine Folgen haben (außer unserer ewigen Dankbarkeit natürlich).
      Und sollten wir das einmal tun müssen, werdet ihr genauestes darüber informiert, *warum* wir das Geld brauchen - anders als andere Vereine werden wir unsere Kosten für jeden überprüfbar halten.

  10. Ein Männerverein ist Spalterei
    1. Männer wurden bisher einfach mitgeschleift; so müssen wir uns bis heute mit Richtlinien, sogenannten Standards und ähnlichem herumschlagen, die ganz eindeutig auf MzFs abgestellt sind.
    2. Da wir andere Probleme als TransFrauen haben, behaupten diese oft, dass wir gar keine oder wesentlich weniger haben. Und da wir keine haben, braucht sich auch niemand darum zu kümmern. Und da kann man sich den Mund fusslig reden, manche wollen es auch nicht einsehen. Nicht, dass eine Zusammenarbeit nicht sinnvoll wäre in vielen Bereichen. Aber es gibt eben einige Bereicht, da haben wir getrennte Probleme, und die müssen wir dann wohl auch getrennt angehen. Sonst kommt nämlich eine Seite zu kurz. Und das ist auch dann nicht in Ordnung, wenn man praktischerweise auf der anderen steht.
 
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