Transgender wird seit ca. Anfang des 20. Jahrhunderts als ein medizinisches Problem betrachtet. Zunächst wird an Ärzte und Psychologen zwecks 'Heilung' verwiesen, und wenn diese scheitert - was sie eigentlich immer tut, da Transgender nicht heilbar ist - wird die Medizin dazu benutzt, wenigstens dafür zu sorgen, dass der 'Fall' mit möglichst wenig Verunsicherung für den Rest der Gesellschaft gelöst wird. Kleinere Probleme und Rückschläge, verzögerte und schlechte medizinische Behandlungen, verpfuschte Operationen und immer wieder unangemessene Zeiten für 'Begutachtungen' und generell das Ignorieren der Menschenwürde der Transgender, die oft zu einer erhöhten Selbstmordrate und körperlichen und seelischen Kriesen führen, werden damit abgetan, dass man sich bei solchen Leuten ja nicht wundern muß, oder dass man schließlich alles getan habe, aber bei diesen zugrunde liegenden Problemen...
Wir hingegen behaupten: Transgender ist nicht in erste Linie ein medizinischen Problem, sondern ein soziales. Andere Gesellschaften wurden und werden mit diesem Problem ohne jegliche medizinische Intervention fertig; auch wenn diese oftmals gewünscht ist, und hier und heute meist notwendig ist, ist sie nicht die Lösung des Problems, sondern lediglich Hilfe zum Leben.
Männlich und Weiblich sind keine unvereinbaren Gegensätze, sondern die zwei Pole einer Skala, die sich über das gesamte Spektrum des menschlichen Seins und menschlicher Lebensmöglichkeiten erstreckt. So, wie die meisten Menschen biologisch eindeutig auf der einen oder anderen Seite der Skala stehen, stehen auch die meisten Menschen bezüglich ihrer Identität eindeutig auf einer Seite. Und bei den meisten Menschen ist dies die selbe Seite.
Bei manchen Menschen aber ist die Biologie auf der einen Seite, und die Identität auf der anderen Seite (wobei neuere Forschungen durchaus darauf hindeuten, dass zumindest Teile dieser Identität biologisch begründet sind). Und wiederum andere Menschen sind - biologisch oder bezüglich ihrer Identität oder beides - irgendwo in der Mitte dieser Skala zu finden; in einem wenig besiedelten aber stark bewegten Teil.
Jede dieser Lebens-Möglichkeiten ist gültig. Niemand darf gegen seinen Willen dazu gezwungen werden, sich von dort wo er ist und wo er zu Hause ist auf eine andere Stelle zu bewegen, nur damit nun ja niemand dazu gezwungen wird, den Dualismus, der die gegenwärtig herrschende Theorie im Verhältnis von Männern und Frauen ist, in Frage zu stellen (und auch wir selber sollten uns nicht dazu zwingen). Wir sind nicht auf die Welt gekommen, um so zu sein, wie andere uns haben wollen!
Gerade Transmänner, die sich nach den medizinischen Behandlungen meist völlig unauffällig in der Gesellschaft bewegen können (vom Problem der genitalkorrigierenden Operation abgesehen), werden unter Druck gesetzt, möglichst 'normal' und unauffällig zu leben. Dies sowohl von 'offizieller' Seite, vor allem Ärzten, die es als Erfolg verbuchen, wenn sie möglichst 'eindeutige' Ergebnisse produzieren (was immer das heißen mag), als auch von einigen Trans-Menschen, die, wenn sie dies schon selber nicht erreichen können, es wenigstens von allen anderen verlangen.
Die Möglichkeit zu reflektieren, ist für TransMänner bisher kaum gegeben, da die bisherige Selbstorganisation der Transgender fast ausschließlich auf Transfrauen zugeschnitten war. Diese Reflexion ist aber notwendig, damit wir nicht von einer Rolle, die wir nicht ausfüllen konnten, in eine gedrängt werden, die wir ebenfalls nicht ausfüllen wollen oder können.
Es muß jedem die Möglichkeit gegeben werden, so zu leben, wie er möchte - eindeutig männlich, weiblich oder irgendwo dazwischen, mit oder ohne Peniod, schwul, hetero, oder bi, als Bauarbeiter oder Damenfriseur, als Akademiker oder Hausmann.
Auch bestehen immer noch beträchtliche Informationsdefizite,
sowohl auf Seiten von Transmännern, was Rechte und Möglichkeiten angeht,
als auch bei den "Profis", wenn es um den Blick über den Tellerrand hinaus geht (z.B. haben Chirurgen meist einen völlig veralteten Kenntnisstand über die rechtlichen Vorgänge oder auch über den Sinn, Zweck und Ablauf der Therapie),
als auch in der Öffentlichkeit, wo TransMänner bislang so gut wie unsichtbar sind.
Diese Informationsdefizite zu beheben, und Transmännern und ihrem näheren Umfeld Raum und Möglichkeit zu geben, sich selbst und ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten kennenzulernen und durchzusetzen, ist der TransMann e.V. angetreten.
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